Sozialmanagement: Nichts für Zartbesaitete

19.03.2018

In diesem Blog werde ich euch über meine Zeit im Sozialmanagement berichten. Wie ich euch in meinem ersten Blog erzählt habe, hätte ich nicht gedacht, dass ein Wohnungsunternehmen überhaupt einen Sozialarbeiter beschäftigt, aber in meiner Zeit in der Abteilung wurde mir relativ schnell klar, dass es absolut sinnvoll ist. Öfter als man glaubt werden unsere Mieter von finanziellen, psychischen oder sozialen Problemen geplagt. Um sich diesen Problemen vollständig widmen zu können, haben wir dafür einen Sozialmanager.

Meine Zeit dort war sehr vielseitig und man stand dauerhaft mit den Mietern im Kontakt und hat sich gemeinsam mit ihnen Lösungen überlegt. Die Kooperationsbereitschaft der Mieter ist in solchen Fälle von entscheidender Bedeutung. Möchte ein Mieter nicht mit uns zusammen arbeiten, dann erschwert das die Lösung von Problemen immens. Erst einmal werde ich euch die Aufgaben eines Sozialmanagers beschreiben um euch einen kleinen Einblick in meine Zeit dort zu geben.

Da sich das Wörtchen„sozial“ ja sowieso schon im Jobtitel befindet, befasst sich das Sozialmanagement mit den sozialen Problemen unserer Mieter. In einer Gesellschaft treffen ja immer viele verschiedene Menschen aufeinander, ob es der Lifestyle, die Musikrichtung oder der Arbeitsrythmus ist. Jeder Mensch lebt unterschiedlich und mag unterschiedliche Dinge. Das wirkt sich dann auch auf die Mietverhältnisse oder Nachbarschaft aus. Wahrscheinlich kennen es die meisten selbst, man möchte gerne schlafen gehen, aber der Nachbar, der vielleicht gerade erst von der Spätschicht kommt, stellt die Waschmaschine an. Da würden die meisten wahrscheinlich vor Wut explodieren. Eventuell würde der ein oder andere dann hochrennen und seiner Wut freien Lauf lassen. Dies könnte dann früher oder später zu einem Nachbarschaftsstreit führen. In solchen Situationen steht dann unser Sozialmanagement bereit und versucht zu schlichten. Oft lassen sich Streitigkeiten schon in einem Gespräch mit beiden Parteien lösen. Es kann jedoch auch zu Vorfällen kommen, bei denen ein langer Weg der Streitschlichtung bevorsteht. Es kann immer sein, dass keine der beiden Parteien einsichtig ist oder mit uns als Schlichter kooperieren möchte.

Ein weiterer großer und wichtiger Aufgabenbereich des Sozialmanagements ist es mit psychisch auffälligen Leuten zu arbeiten. Oftmals kommt es vor, dass der Mietfrieden oder das gesamte Mietverhältnis durch eine psychologische Krankheit gestört wird. Zum Beispiel wenn man am Bornout-Syndrom leidet, dann plötzlich nicht mehr in der Lage ist zu arbeiten, kein Geld mehr verdient und die Mietzahlungen ausbleiben. Oder wenn man unter einer Schizophrenie-Erkrankung leidet und nachts schreit. In diesem Fall wäre der Mietfrieden in Gefahr, falls sich die Nachbarschaft dadurch belästigt fühlt. In beiden Fällen würde unser Sozialmanager eingreifen. In mancher Situation wird dann auch die Ansetzung eines gerichtlichen Betreuers angeregt, falls die Gefahr besteht, dass jemand nicht mehr in der Lage ist für sich selbst zu sorgen.

Unser Sozialmanagement beinhaltet unter anderem eine professionelle Schuldnerberatung. Da es oftmals zu Situationen kommt, wo die privaten Probleme unserer Mieter  Einfluss auf unser  Vertragsverhältnis mit ihnen hat, müssen wir in solchen Situationen vorbereitet sein. Man muss sich es wie folgt vorstellen: eine Familie gelangt aus welchen Gründen auch immer in finanzielle Schwierigkeiten und muss sich plötzlich entscheiden: Miete oder Essen zahlen? Da fällt den meisten Menschen die Entscheidung leicht, obwohl das zu Hause der wichtigste Ort ist. Da sich meistens finanzielle Probleme dann nicht einfach in Luft auflösen, entwickelt sich eine Art Schneeballsystem. In solchen Fälle setzen wir uns dann mit den Mieter zusammen, um die Situation in beidseitigem Interesse zu lösen. Das Ziel soll natürlich letztendlich sein, die Miete wieder bezahlen zu können. Es wird eine Liste über alle Verbindlichkeiten und Einkünfte erstellt und dann geguckt, wie und in welcher Reihenfolge man die Gläubiger befriedigt.

In meiner Zeit gab es einen besonders schwierigen Fall: Einer unserer Mieter hatte eine Schizophrenie-Erkrankung, die sich stark auf das Mietverhältnis ausgewirkt hat. Als wir die Meldung der Nachbarn bekommen haben, dass er nachts rumschreien würde, haben wir geprüft ob sich diese Anschuldigungen bewahrheitet haben. Die Kontaktaufnahme fiel sehr schwer: Anrufe blieben überwiegend unbeantwortet und bei Hausbesuchen wurde die Tür nicht geöffnet. Wie würdet ihr dann versuchen, einen Draht zu dem Mieter zu bekommen? Wir blieben hartnäckig und haben mehrere Wege genutzt ihn zu erreichen. Auf dem Briefweg, über das Telefon und über andere Kontaktpersonen, die uns bekannt waren. Schlussendlich konnten wir den Mieter erreichen und einen Hausbesuch mit ihm vereinbaren. Allerdings war dies nur der erste Schritt, um dem Mieter zu helfen. Oftmals erfahren wir bei Hausbesuchen mehr von den Mietern. Die Wohnung des Mieters war stark verschmutzt und die Krankheit war nicht das einzige Problem. Leider sind wir bei einer Lärmbelästigung immer auf die Mithilfe unsere Mieter angewiesen, ohne diese könnten wir bei einem gerichtlichen Verfahren keine qualifizierten Beweise vorlegen. Wir haben mit dem Mieter vereinbart, den Zustand der Wohnung in zwei Wochen nochmal zu kontrollieren und hoffen, dass sich die nächtlichen Störungen in Zukunft einstellen.

 Ich hoffe, ihr könnt euch jetzt so ungefähr ein Bild von den Aufgaben eines Sozialarbeiters bei der WOGEDO machen. Mir hat es in der Abteilung sehr viel Spaß gemacht und diese abwechslungsreiche Arbeit ist nichts für Leute, die einen geregelten Tagesablauf bevorzugen. Es bedarf viel Fingerspitzengefühl in allen Situationen, um dem Wohl beider Parteien zu dienen. Außerdem sollte man immer einen kühlen Kopf bewahren.

In meinem nächsten Blog werde ich über meine Zeit im Team Service Wohnen, der Vermietungsabteilung der WOGEDO, berichten. Wenn ihr jetzt schon irgendwelche Anregungen habt, worüber ich sprechen sollte, dann meldet euch gerne bei mir!

Bis zum nächsten Mal,

euer Benjamin!